Gerichtsberichterstattung: „Ein blamabler Zustand“

„Ein blamabler Zustand.“ Unter diesem Titel schreibt die NZZ-Gerichtsberichterstatterin und Redaktorin Brigitte Hürlimann (sie verlässt die NZZ Ende dieses Jahres und übernimmt im März 2018 die Redaktionsleitung von „plädoyer“*):

„(…) Es ist das Leben pur, das sich in den Gerichtssälen abspielt oder in schriftlich gefällten Urteilen dargestellt wird. Es sind Dramen, Alltagsgeschichten, es menschelt ganz gewaltig. Und immer bekommt die Journalistin Stoff für die unglaublichsten Storys geliefert; die sind manchmal zum Schmunzeln, meist aber bierernst und oft von gesellschaftlicher Relevanz. Wir beobachten, wie unsere Gerichte mit Straftätern oder mit Rechtsuchenden umgehen. Wird der ausländische Einbrecher mit dem gleichen Respekt behandelt wie der hiesige Finanzjongleur? Spielt etwa die politische Zusammensetzung der Richterbank eine Rolle bei der Entscheidfindung?

Unbestrittenermassen gehört es zu den zentralen Aufgaben seriöser Medien, auch die dritte Staatsgewalt, die Judikative, kritisch und kontinuierlich zu begleiten. Bei der Gerichtsberichterstattung kommt hinzu, dass solche Beiträge überdurchschnittlich gut gelesen beziehungsweise gehört oder gesehen werden. Völlig unverständlich deshalb, dass die dafür zuständigen Medienleute innerhalb der Redaktionen ein schlechtes Ansehen geniessen – und dass immer weniger, schlecht ausgebildete und kaum vorbereitete Kolleginnen und Kollegen mit dem Gerichts-Dossier betraut werden: ein in jeder Hinsicht blamabler Zustand.“

Link zur vollständigen Kolumne.

* Brigitte Hürlimann, 53, verlässt die NZZ auf Ende Jahr. Die Gerichtsberichterstatterin und Redaktorin des Ressorts Zürich wird ab März 2018 Redaktionsleiterin der juristischen Zeitschrift «plädoyer». Hürlimann  hatte zuerst als freie Journalistin beim «Luzerner Tagblatt», dann als Reporterin beim «Tages-Anzeiger» gearbeitet. Danach studierte sie Recht in Freiburg. Seit 2005 arbeitet sie bei der NZZ. (Link zu dieser Notiz in *Edito“).

 

Artikel drucken

Tags :