Wenn die letzten Zeugen schwerster Verletzungen der Menschenrechte sterben

Aram Mattioli, Professor für Geschichte der Neuesten zeit an der Universität Luzern,  in einem Interview mit dem „Tages-Anzeiger*:

„(…) Ein Holocaust-Leugner dürfte grosse Mühe haben, vor ein Opfer der Shoah hinzustehen und zu sagen, sein Zeugnis sei erlogen. (…) Es besteht schon die Gefahr, dass es in öffentlichen Debatten einfacher wird, den Holocaust zu leugnen. Das betrifft aber nicht den wissenschaftlichen Diskurs: Die Forschung wird immer genügend stichhaltige Argumente und Beweise haben, um Holocaust-Leugnern entgegenzutreten. (…)

Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte vom 10. Dezember 1948 war eine direkte Reaktion auf die Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Zweiten Weltkrieg. Doch so unverzichtbar die Menschenrechte für unsere Kultur sind, so haben sie doch auch eine abstrakte Dimension. Wenn man einen Zeugen vor sich hat, von dem man weiss, dass er diese Verbrechen am eigenen Leib erlitten hat, dann ist das ein starkes Argument für die Notwendigkeit der Menschenrechte. Es fehlt, wenn es diese Zeugen nicht mehr gibt. (…)

Man vergisst leicht, wie brüchig der Boden unserer Zivilisation ist oder warum man als Lehre aus dem Zweiten Weltkrieg die Idee eines geeinten Europa proklamiert hat – nämlich, um für die Zukunft auszuschliessen, dass der Kontinent nochmals einen Höllensturz durchmacht, wie Ian Kershaw das in seinem neuen Buch nennt. Jetzt bewegen wir uns weg von diesen Ereignissen, die Zeitzeugen sterben. Und immer mehr Leute halten ein geeintes Europa für unwichtig. Damit wird eine Lehre der Geschichte schleichend dementiert. (…) “

Link zum vollständigen Interview.

Link zur Webseite Aram Mattiolis an der Universität Luzern

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