Barenboim zitiert Goethe: „Toleranz muss zur Anerkennung führen“

Zum Tag der Menschenrechte 2016 äusserte der Dirigent und Pianist Daniel Barenboim Bedenkenswertes über Toleranz und Diversität:

„Die Vereinten Nationen betonen am Ende dieses Jahres, in dem so vieles passiert ist, zweierlei: dass wir verpflichtet sind, für die Rechte des anderen einzutreten, und wie dringend notwendig es ist, unsere gemeinsame Menschlichkeit zu bekräftigen. Es gibt  zwei Begriffe, deren Verständnis für diese Bekräftigung entscheidend ist: Toleranz und Diversität. (…)

Das Konzept der Toleranz halte ich für ausgesprochen problematisch. Heute meint man, es beschreibe eine positive Eigenschaft, in Wahrheit ist es eher eine negative. Goethe bringt diese Ambivalenz in seinen ‚Maximen und Reflexionen‘ auf den Punkt: ‚Toleranz sollte eigentlich nur eine vorübergehende Gesinnung sein: Sie muss zur Anerkennung führen. Dulden heisst beleidigen.‘ Diese Unterscheidung trifft es genau: Jemanden zu tolerieren bleibt letztlich ein Akt der Herablassung, während echte Anerkennung dazu führt, den anderen als meinesgleichen anzusehen.

Die Diversität kommt ins Spiel, sobald es um noch mehr geht als Anerkennung, um Chancengleichheit beispielsweise für soziale, kuturelle, ethnische, religiöse und sonstige Gruppen, die andernfalls diskriminiert würden.

(…)“

Auszug aus Daniel Barenboims Kolumne „Gebt ‚diversity‘ eine Chance. Wir müssen unser Verständnis von Toleranz und Vielfalt überdenken.“, in „Die Zeit“, 8.12.16, S. 43).

Link zum englischen Artikel im „Guardian“ hier.

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